Ungarisch hat den Ruf, eine der schwersten Sprachen der Welt zu sein. Dieser Ruf stammt fast vollständig aus dem englischsprachigen Raum — und als Deutschsprachiger bist du damit nicht gemeint.
Jedenfalls nicht bei der Aussprache. Die ungarische Grammatik ist tatsächlich eine andere Welt: je nach Zählung weit über ein Dutzend Fälle, Vokalharmonie, lange Suffixketten. Aber der Teil, an dem man im Gespräch gemessen wird — wie es klingt — ist für ein deutsches Ohr überraschend zugänglich.
Wir haben für einunddreißig Sprachpaare Aussprachematerial gebaut. Deutsch→Ungarisch ist die Richtung, in der die Vorannahme am weitesten von der Realität entfernt liegt.
Was du geschenkt bekommst
Die Umlaute. Ungarisch hat ü, ű, ö, ő — und sie klingen wie deine. für → fürdő, ö wie in können. Für Lernende aus dem Englischen, Spanischen oder Italienischen ist das monatelange Arbeit. Du musst dich nur an die Längenstriche gewöhnen.
Die Betonung. Ungarisch betont immer die erste Silbe, ausnahmslos. Deutsch macht das in Erbwörtern ebenfalls überwiegend. Dein Reflex stimmt hier zufällig.
Die Zischlaute. Fast alle sind schon in deinem Inventar:
| Ungarisch | Laut | Deutsch |
|---|---|---|
s |
[ʃ] | sch wie in Schule |
sz |
[s] | ß wie in Straße |
c |
[ts] | z wie in Zeit |
cs |
[tʃ] | tsch wie in Deutsch |
zs |
[ʒ] | j wie in Journal |
Merk dir vor allem: s und sz sind gegenüber dem Deutschen vertauscht. Deshalb heißt die Stadt Pécs „Pehtsch“ und szép („schön“) beginnt mit einem scharfen s.
Der Laut, der dich verrät: der lange Konsonant
Hier endet die gute Nachricht. Im Ungarischen ist Konsonantenlänge bedeutungsunterscheidend:
| kurz | lang | ||
|---|---|---|---|
hal |
Fisch | hall |
hört |
megy |
geht | meggy |
Sauerkirsche |
orom |
Giebel | orrom |
meine Nase |
eset |
Fall | esett |
fiel |
Im Deutschen gibt es das nicht. Unsere Doppelbuchstaben sagen etwas über den Vokal davor aus, nicht über den Konsonanten: Sonne hat genau ein kurzes [n], nicht ein langes. Deshalb liest ein deutsches Auge hall und spricht hal.
Im Ungarischen hältst du den Konsonanten wirklich — etwa doppelt so lange. Das fühlt sich an wie Stottern, ist aber der Unterschied zwischen einem Fisch und dem Verb „hören“.
Übung: Sag
hal–hall–hal–hallim Wechsel und halte daslbeim zweiten Wort so lange, dass es dir peinlich ist. Ungefähr dann stimmt es.
Der zweite Verräter: die Auslautverhärtung
Deutsch härtet am Wortende aus: Hund wird [hʊnt], Tag wird [taːk]. Das passiert automatisch, und du hörst es nicht.
Ungarisch macht das nicht. Und es kostet sofort Bedeutung:
méz[meːz]= Honig → mit deutschem Reflex wirdmész[meːs]daraus: „Kalk“ház[haːz]= Haus, nicht „hász“zöld[zøld]= grün, mit weichemdam Ende
Die Palatale: gy, ty, ny
gy [ɟ], ty [c], ny [ɲ] — dafür hat Deutsch nichts. magyar, nagy, kutya, nyár.
Der häufigste Fehler ist, sich mit „dj“ oder „dsch“ zu behelfen. Besser: Leg die Zungenfläche flach an den Gaumen — nicht die Spitze — und sprich von dort ein d. Bei ny hilft das „nj“ aus Kognak.
Dazu zwei Kleinigkeiten mit großer Wirkung: Ungarisch behaucht p, t, k nicht (ein deutsches „Pest“ mit Luftstoß klingt sofort fremd), und das a ist ein gerundetes [ɒ], kein deutsches [a]. „Budapest“ hat also andere Vokale, als du denkst, und das s darin ist ein [ʃ]: [ˈbudɒpɛʃt].
Was du mitnehmen solltest
- Umlaute, Betonung und Zischlaute sind gratis — du startest weit vorne.
- Lange Konsonanten sind Bedeutung, nicht Verzierung.
- Nichts wird am Wortende hart.
mézbleibtméz.
Diese drei Punkte sind keine Wissensfrage, sondern eine Gewohnheitsfrage — und eigene Gewohnheiten hört man nicht. Der Ungarischkurs von Prophora bewertet deshalb ab der ersten Lektion das gesprochene Wort und zeigt an, bei welchem Laut du abgewichen bist.